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Stadtarchiv und Landeskundliche Abteilung

Stadtarchiv Hanau

Der Eingang zum Brüder-Grimm-Lesesaal neben dem Stadtarchiv

Das Stadtarchiv Hanau ist die zentrale städtische Dienststelle für alle Fragen zur Hanauer Stadtgeschichte. Im „Gedächtnis der Stadt Hanau“ werden stadtgeschichtlich bedeutsame Unterlagen aufbewahrt, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Der Bestand hat einen Umfang von ca. 3500 laufenden Regalmetern.

Aufgabe
Den Grundstock für das heutige Stadtarchiv bilden die Registraturen der Städte Althanau und Neuhanau, die in den 1830er Jahren zusammengeführt wurden. Das Stadtarchiv übernimmt die Unterlagen, die im laufenden Betrieb der Stadtverwaltung nicht mehr benötigt werden. Urkunden, Amtsbücher, Akten, Zeitungen, Karten, Pläne, Postkarten, aber auch Nachlässe von Privatpersonen, Firmen- und Vereinsunterlagen stehen den Besuchern zur Verfügung. Zurzeit wird die digitale Langzeitarchivierung aufgebaut.

Lesesaal
Der Brüder Grimm-Lesesaal bietet 15 Arbeitsplätze. Im technischen Lesesaal stehen ein Reader-Printer und ein digitales Lese-/Scangerät für Mikrofiches und Mikrofilme zur Verfügung.

Kontakt
Tel.: 06181 / 98 252 51
Mail: stadtarchiv@hanau.de

Leitung und Digitale Langzeitarchivierung
Herr Loquai
Tel. 06181 / 98 252 52
Mail: Stephan.Loquai@hanau.de
 

Objekt der Woche #73 über Hanau Daheim: „Schöpferische Expansion“ – Gedenkbuch für Frederick Mayer (1921- 2006)

Das Internet kann sehr bereichernd sein. Vor kurzem erreichte den Autor dieser Zeilen eine Email aus Wien: „Denken Sie bitte an Frederick Mayer, der vor 100 Jahren in Frankfurt geboren wurde und in Hanau aufwuchs!“, so der Chemiker und Pädagoge Dr. Walter Christian Franek.
Frederick Mayer? Ein Blick ins worldwideweb half weiter: Bei Mayer handelt sich um den „Papst der Kreativität“ des 20. Jahrhunderts. Details finden sich u. a. auf wikipedia. So war der Spürsinn geweckt. Denn in „Frankfurt geboren, in Hanau aufgewachsen“ machte neugierig. Durch Recherchen, unterstützt von Dr. Franek in Wien und Stephan Loquai vom Hanauer Stadtarchiv, konnte die Vita Mayers erheblich erweitert werden: ...
Die jüdische Familie von Friedrich Mayer wohnte bereits um 1900 in Hanau. Sein Vater Siegmund war als Prokurist beim Bankhaus Stern angestellt und avancierte 1930 zum Direktor der Dresdner Bank in der Krämerstraße, ehe er 1933 vom NS-Regime aus dem Amt gedrängt wurde. Mit seiner Frau Helene, geb. Hiller, hatte Siegmund Mayer 2 Söhne. Wilhelm und Friedrich, was auf die Kaisertreue der Familie hinweist, die Vor der Kinzigbrücke 13 wohnte.
Friedrich kam am 11. August 1921 in Frankfurt am Main zur Welt. Helene entband dort „nur“ ihren Nachwuchs im Israelitischen Krankenhaus an der Gagernstraße und kehrte gleich wieder nach Hanau zurück. Insofern war Mayer von Geburt an eigentlich Hanauer! Und taucht deshalb auch in Frankfurter Enzyklopädien bisher nicht auf.
1936 flüchtete er auf einem Frachtschiff in der Nähe des Maschinenraums mit anderen jüdischen Kindern und Jugendlichen in die USA/Kalifornien. Bruder Wilhelm konnte nach England entkommen, seine Eltern folgten und siedelten später weiter in die Nähe von San Francisco. In Übersee avancierte Friedrich – nun Frederick – Mayer, zu einem der bedeutendsten Universitätsprofessoren für Philosophie, Erziehungswissenschaften, globalen Humanismus und Kreativität. 1968 verließ er die USA. Wien war als dritte UNO-City vorgesehen; daher entschied er sich bei der Rückkehr nach Europa für Österreich und Wien.
Mayer ist alleiniger Autor von fast 70 Büchern, die im Original in amerikanischer bzw. in deutscher Sprache aufgelegt wurden. 1960 erschien sein Bestseller „A History of Educational Thought“, Pflichtlehrbuch an hunderten Universitäten („Geschichte des erzieherischen Gedankens“). Mit Anna Freud und Jean Piget hat er die moderne, internationale Pädagogik wesentlich beeinflusst. Zu seinen Freunden zählten u.a. Martin Luther King, Aldous Huxley und Robert Hutchins. Er ist Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Wien, war Fellow of the Royal Society of Arts in London, Mitglied des Austrian Chapter des Club of Rome, Ehrenmitglied der Nomura Foundation in Japan, 1988 Ehrenpräsident der internationalen UNIDO-IACT-Konferenz in Wien und hat das Programm für die Zukunft der industriellen Administration geschrieben.
Frederick Mayer verstarb am 26. Juni 2006 und fand auf dem Neustifter Friedhof in Wien die letzte Ruhe (Ehrengrab seit 2014). Seine Lebensgefährtin Alice Strigl und Dr. Walter Christian Franek gaben 2007 das Gedenkbuch „Schöpferische Expansion“ heraus. Mayers Andenken widmet sich seit 2007 die „Frederick Mayer Society – International“.
Die Stadt Hanau hat Dr. Franek eine umfangreiche Büchersendung von Werken Mayers zu verdanken, die in der landeskundlichen Abteilung Hanau-Hessen der Stadtbibliothek aufgenommen wurden. Ein guter Platz, denn das Kulturforum sammelt alle Veröffentlichungen von Hanauerinnen und Hanauern bzw. von und über Hanau. Die Bücher von Frederick Mayer dürfen im Bestand natürlich nicht fehlen. Wir sind sehr dankbar für das großzügige Geschenk.
Durch einen Hinweis in einer Email aus Österreich und daraus folgenden Forschungen wurde der Hanauer Geschichte wieder ein wichtiger Mosaikstein hinzugefügt!
Die Reihe „Objekt der Woche“ erscheint jeden Montag während der Corona-Pandemie. Anmerkungen und Hinweise gerne an Autor martin.hoppe@hanau.de.

Landeskundliche Abteilung

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Die Landeskundliche Abteilung stellt Bücher und andere Medien zur Geschichte der Stadt Hanau und der Region bereit und die Vereine publizieren nicht nur über Hanau, sondern können auch auf das spezialisierte Wissen ihrer Mitglieder zurückgreifen.

Landeskundliche Abteilung
Frau Noe, Leiterin der Landeskundlichen Abteilung
Tel. 06181 / 98 252 54
Mail: Angela.Noe@hanau.de