Wetterauische Gesellschaft

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Wetterauische Gesellschaft

Schmetterlinge, Steine, Knochen und Bücher – was haben diese Dinge gemeinsam?
Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten jedoch sehr viel, denn sie alle gehören zu den Forschungsgebieten, mit denen sich die Mitglieder der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, gegr. 1808, beschäftigen. Und sie sind bald im neuen Hanauer Kulturforum am Freiheitsplatz zu finden. Die in dieser kleinen aber feinen Gesellschaft engagierten Fachleute und Laien interessieren sich für alle möglichen naturkundlichen Themen. Sie sind in zahlreichen Arbeitsgebieten aktiv: unter anderem Geologie und Mineralogie, Geographie, Botanik, Zoologie, Gewässerkunde, Klimatologie, Chemie und Physik. Außerdem behüten und pflegen sie eine umfangreiche Bibliothek mit bibliophilen Schätzen aus mehr als zwei Jahrhunderten. Deren Grundstock wurde bereits im Gründungsjahr gelegt. Inzwischen ist die Sammlung - nicht zuletzt durch einen regen Schriftentausch - auf etwa 27000 historische und aktuelle naturwissenschaftliche Bücher und Schriften angewachsen. Das Ziel der Wetterauischen Gesellschaft ist, unmittelbar zum Nutzen der Allgemeinheit breit angelegte naturwissenschaftliche Kenntnisse zu fördern und zu verbreiten. Die Schwerpunkte sind Botanik und Geologie.
Steine kennenlernen und Spurensuche
Die Mitglieder erreichen dies durch ein vielseitiges Angebot an Vorträgen, Ausstellungen und Exkursionen. Ebenso durch das Engagement der Naturkundlichen Arbeitsgemeinschaft und die Herausgabe der „Jahresberichte“ mit wissenschaftlichen Beiträgen aus verschiedenen Bereichen. Außerdem werden die naturwissenschaftlichen Sammlungen ergänzt und ausgebaut. Buchvorstellungen stehen auf dem Programm, Veranstaltungen wie „Gesteine kennenlernen und bestimmen“, „Bäume und Pflanzen bestimmen“ oder „Spurensuche in der Stadt“. Die Sonderveranstaltung „3. Hanauer Naturkundetage“ ist für April/Mai 2016 gemeinsam mit anderen Forum-Partnern geplant.
Glanzvolle Vergangenheit
Warum eigentlich „Wetterauische“ Gesellschaft? Zur Zeit ihrer Gründung verstand man unter der Wetterau das Gebiet zwischen Taunus, Vogelsberg, Spessart und Odenwald bis zum Rhein. Hanau liegt fast in der Mitte dieser Region – die Namensgebung ist also nachvollziehbar. Die „Wetterauer“ können auf eine glanzvolle Vergangenheit und berühmte Mitstreiter zurückblicken. Die Liste der zehn Gründungsmitglieder der „Wetterauischen“, die zu den ältesten naturwissenschaftlichen Gesellschaften der Welt gehört, liest sich wie der „Who is who“ der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts: Dr. Carl Caesar von Leonhard (Mineraloge), Dr. Johann Georg Neuburg, Dr. Christian Heinrich Grasemann (Arzt und Botaniker), Dr. Gottfried Gärtner (Botaniker), Johann Philipp Achilles Leisler (Arzt und Zoologe), Dr. Johann Scherbius (Arzt und Botaniker), Dr. Johann Christian Leberecht Schmidt (Geologe), Dr. Bernhard Meyer (Mediziner und Ornithologe), Dr. Johann Heinrich Kopp (Mediziner, Physiker und Chemiker) und Johann Heinrich Schaumburg. Sie alle stammten hauptsächlich aus Hanau und der näheren Umgebung und waren anerkannte Wissenschaftler ihrer Zeit. Ihre Reputation, ihr guter Ruf und das zunehmende Interesse an der Naturkunde in der Bevölkerung brachten der Wetterauischen Gesellschaft regen Zulauf. Die Tatsache, dass sich in der Umgebung kein naturwissenschaftliches Museum befand, spielte sicher auch eine Rolle. Im ersten Jahr zählte man bereits 400 Mitglieder. Die Sammlungen der Mitglieder bildeten den Grundstock für ein Museum.
Hervorragender Ruf
Die Aktivitäten der Wetterauischen Gesellschaft begründeten den hervorragenden wissenschaftlichen Ruf Hanaus. Dies führte zu besten Kontakten in ganz Europa. Und dies weckte Interesse bei heute weltbekannten Wissenschaftlern wie Alexander von Humbold, Friedrich Wöhler, Justus von Liebig und gar Johann Wolfgang von Goethe. Sie erscheinen als Ehrenmitglieder in den Annalen. Der Dichterfürst und Hanau? Die Beziehungen des Geheimrates zu der Goldschmiedestadt waren vielschichtig. Nicht nur, dass Goethe mit den Hanauer Malern Friedrich Bury und Moritz Daniel Oppenheim bekannt war. Er pflegte auch Verbindungen zu dem Literaten Heinrich Koenig und den Brüdern Grimm. Er war auch gut mit dem Geologen und Mitbegründer der Wetterauischen Gesellschaft, Carl Caesar von Leonhard, befreundet und stand in Kontakt zu fast allen führenden Mitgliedern. Lange Zeit war die Wetterauische Gesellschaft bedeutender Sammelpunkt für die naturwissenschaftlichen Bestrebungen in Mittel- und Süddeutschland. Dazu trugen seit 1846 maßgeblich die Sammlungen zur Geologie und Mineralogie bei. Die Gesellschaft gilt als Vorbild für die einige Jahre später gegründete Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft in Frankfurt.
Neues Zuhause
Ihr erstes Domizil bezogen die Hanauer Naturwissenschaftler 1808 im Stadtschloss. Die damaligen Besetzer Hanaus, die Franzosen, stellten dort fünf Zimmer für die Sammlung zur Verfügung. 1824 musste die Gesellschaft kurzfristig das Schloss verlassen, fand ein neues Dach über dem Kopf in der Hohen Landesschule. Jahrzehnte danach zogen die Wetterauer in den ehemaligen Kanzleibau des Schlosses am Schlossplatz. Das Museum in den oberen Räumen fiel dem verheerenden Luftangriff im März 1945 zum Opfer, die im Gewölbe untergebrachte Bibliothek überstand den Angriff mit wenigen Beschädigungen. So standen die wertvollen Druckerzeugnisse bis vor kurzem noch an derselben Stelle und in denselben Regalen wie viele Jahrzehnte zuvor. Allerdings haben in den Nachkriegsjahren Wasserschäden, Schmutz und Diebstahl ihre Spuren hinterlassen. Und nun bekommt die Wetterauische Gesellschaft ein neues Zuhause: Im Forum Hanau werden die Exponate und die bibliophilen Kostbarkeiten nun in geeigneter Form aufbewahrt.